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Schöner Tag

4:25 der Wecker klingelt.
Rasch huscht eine dürre, faltige Hand, um das nervtötende Gerät auszuschalten.
Langsam und mit schmerzverzerrtem Gesicht, richtet sich ein junges, altes Mädchen im Bett auf.
Sie schaut an ihrem Körper herab: die Füße und Zehen sind dunkelblau gefärbt.
Trotzdem ist das Fenster weit geöffnet und die Heizung ausgestellt.
Draußen schneit es.

Einer schneller Griff unters Bett; die Glaswaage kommt zum Vorschein.
Euphorisch spürt sie die Vorfreude in sich aufsteigen.
Die Kälte und die Schmerzen sind schon fast vergessen.
Der schönste Moment des Tages und hoffentlich wird es heute ein ganz besonders schöner Tag.
Die roten Zahlen auf dem kleinem Display erscheinen und zeigen das, was sie sich schon immer gewünscht hat.
Ein zartes Lächeln zeichnet sich auf dem schmalen, eingefallen Gesicht ab.

Leise verlässt sie ihr Zimmer.
Obwohl die ganze Nacht frische Luft hereingeströmtet ist, ist ein fauliger Geruch wahrzunehmen.
Das Mittagessen von vorgestern.
Sie nimmt den Gestank gar nicht mehr wahr.

Auf dem Weg ins Badezimmer, schließt sie behutsam die Tür des Elternschlafzimmers.
Unter der Dusche hält sie plötzlich ein dünnen, blonden Haarbüschel in der Hand.
Nichts, was man nicht verstecken könnte.
Der schöne, schwarze Pullover, den sie im vergangenem Sommer mit ihren Großeltern gekauft hat, hängt unförmig und weit.
Die hellblaue Jeans drückt auf die abstehenden Hüftknochen. Sie hinterlässt bereits schwärzliche Flecken auf dem jungen, alten Körper.

In der Küche geht das Licht an.
Bald darauf, wird der gemütliche, kleine Raum von einem köstlichen Duft durchströmt.
Angeekelt wickelt das Mädchen das frische Toastbrot in eine Serviette.
Das Messer, auf dem noch deutlich Butterspuren zu sehen sind, bleibt demonstrativ liegen.
Sie hört die Stimme ihrer Mutter.

Die Tür knallt ins Schloss.
Auf dem Weg zur Schule, zieht sie die mitleidigen, schockierten Blicke der Passanten auf sich.
Im nächstgelegenem Mülleimer wird das duftende Brot entsorgt.

Im Klassezimmer ist es laut.
Leise setzt sie sich auf ihren Platz und schmiegt sich in die „schöne“ Erinnerung der heutigen Zahl.
Beim Schreiben zittert ihre knochige, ausgetrocknete Hand.
Gleichgültig stellt sie fest, dass blutige schnitte in der grauen Haut zu sehen sind.
Auf dem Weg nach Hause, nimmt sie die tuschelnden Stimmen ihrer Mitschüler auch nicht mehr wahr.

Sie beginnt zu frieren.
Die Kälte bereitet sich vom Bauch, in den ganzen Körper aus.
Sie zieht ihren langen Mantel sogar noch fester.
Es hilft nicht.

Immernoch wacklig auf den Beinen, kommt sie zu Hause an.
Die Kälte ist sogar noch schlimmer geworden.
Das Mädchen gießt sich mit letzten Kräften einen Tee auf.
Die blauen Finger könne kaum die Tasse mit den kleinen, lächelnden Engelchen halten.

Sie beugt sich über die Toilette.
Alles dreht sich und der Tee ist wieder draußen.

Sie schaut in den Spiegel und schreckt auf.
Die Augen voller Traurigkeit und von dicken, braunen Ringen umgeben.
Schon lange hat sie nicht mehr in ihr eigenes Gesicht geblickt.
„Das bin ich nicht.“

Von Müdigkeit geplagt und in ganz in Gedanken verloren, schleppt sie sich in ihr Bett.
Es dauert einige Minuten, bis die Stelle gefunden ist, auf der es sich wenigstens ein wenig entspannen lässt.
Ihr Rachen brennt unangenehm vom Erbrechen.

Sie wickelt sich in die Decke.
Und plötzlich überkommt sie eine wundervolle Wärme.
Ein wunderbares Gefühl, dass sie sonst nur beim Wiegen verspürt.
In der Hoffnung morgen eine sogar noch hübschere Zahl zu sehen und damit einen noch schöneren Tag als diesen zu erleben, schläft das junge, alte Mädchen ruhig ein.

4:25 der Wecker klingelt.
Zehn Minuten später klingelt er erneut.

Eine Frau eilt in das aufgeräumte, kalte Kinderzimmer, an das Bett ihrer Tochter.
Die Lippen sind schwarz, der Brustkorb hebt und senkt sich nicht mehr.
Sie betrachtet schockiert den leblosen und ausgehungerten Körper ihres Kindes.
Ein Schrei durchbricht die Stille des neuen, schönen Tages.


„Evelyne ist tot.“

27.12.09 21:18
 


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